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Nach dem Studium...

Bachelor oder Master? Und wie geht es dann weiter? Die Bibliothekswissenschaft ermöglicht einige ganz erstaunliche Karieren. Unsere ehemaligen Studierenden (Alumni) berichten:

Heinke Mühlenberg

Abschluss: Bachelor of Engineering

Bildungsweg: Abitur, Diplom-Geologin, Software Engineer, nach 15 Jahren im Beruf: Studium der Informationswissenschaften an der h-da, Abschluss im Juli 2009

Erneuter Berufseinstieg: Seit November 2009 bei der Universitätsbibliothek Heidelberg als Bibliothekarin

Berufsweg: Zunächst in den Abteilungen Informationsdienste und Retrokatalogisierung, dann Wechsel zur Bibliothek der Juristischen Fakultät, seit August 2011 Leiterin der Bereichsbibliothek Mathematik und Informatik.

Tätigkeitsbeschreibung:

  • Bibliotheksaufgaben: Erwerbung, Katalogisierung und Bestandserhaltung, Fortschreiben der Universitätsbibliographie für die Veröffentlichungen der Heidelberger Wissenschaftler
  • Informationsvermittlung: Hilfe bei Recherchen und Fernleihen, Pflege der Bibliotheks-Homepage und der Intranet-Seiten
  • Verwaltung: Rechnungen anweisen, Überwachung des Budgets, Personal- und HiWi-Verwaltung, Dienstpläne für die Lesesaalaufsicht erstellen, Büromaterial verwalten, etc.

 "An meinem Studium gefiel mir besonders, die nette, persönliche Atmosphäre und das große Engagement der Professoren."

 "Viel Freude an meinem Beruf bereiten mir die Vielfältigkeit der Tätigkeiten, die Möglichkeit, immer wieder Neues zu lernen und der Umgang mit den Studenten sowie den netten Kollegen."

Nicole Braungart

Portrait Nicole B.

Nicole Braungart, B. Eng., Bibliothekarin in der Bibliothek der Deutschen Bundesbank.

Wie ging es nach Ihrem Studium weiter?

Nach Beendigung des Studiums arbeite ich derzeit wieder bzw. noch in meiner „alten“ und vorherigen Stelle als Bibliotheksassistentin in der Universitätsbibliothek in Gießen. In Gießen habe ich von 1997-1999 die Ausbildung im mittleren Bibliotheksdienst gemacht und seitdem fast ununterbrochen dort gearbeitet. Für die Dauer meines Studiums reduzierte ich meine Arbeitszeit von einer Vollzeit- auf eine Viertelstelle.

Leider ist es nicht so, dass der akademische Grad Bachelor of Engineering für mich automatisch ein dienstliches „Upgrade“ bedeutet. Dazu muss zuerst eine passende Stelle – in diesem Fall als Diplom-Bibliothekarin bzw. Bachelor ISE mit Schwerpunkt Bibliotheksmanagement – freigegeben und ausgeschrieben werden und ich muss mich daraufhin bewerben. Da es derzeit uniweit eher mau aussieht, was die Freigabe von Stellen angeht, kann es durchaus noch einige Zeit dauern, bis in Gießen eine solche Stelle ausgeschrieben wird.

Bereits während des Studiums habe ich mich regelmäßig auf www.bibliojobs.de nach aktuellen Stellenausschreibungen umgeschaut. Passend zum Ende meines Studiums waren dort drei interessante Ausschreibungen aus dem Rhein-Main-Gebiet verzeichnet: die Bibliothek der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, die Stadtbibliothek Bad Homburg und die Fachbibliothek der Deutschen Bundesbank suchten nach Diplom-Bibliothekaren bzw. Studienabsolventen mit gleichwertigem Abschluss. Nach zwei Vorstellungsgesprächen erhielt ich die Zusage der Deutschen Bundesbank; dort werde ich ab dem 01.01.2011 tätig sein.

Welche Aufgaben werden Sie bei der Deutschen Bundesbank übernehmen? Welche Erwartungen haben Sie an die dortige Arbeit?

Laut Stellenausschreibung und den Informationen während des Vorstellungsgesprächs werde ich mich hauptsächlich mit Datenbankrecherchen (Genios, WISO, LexisNexis, EconBiz etc.) zu monetären Themen, Wirtschafts- und Konjunkturtheorien, Bank- und Börsenwesen, Statistiken usw. beschäftigen. Zum einen werde ich interne, aber auch externe Nutzer mit Informationen versorgen, die sie für ihre tägliche Arbeit benötigen, zum anderen werde ich Informationen beschaffen, die in die Publikationen der Bundesbank aufgenommen werden.

Ich freue mich sehr auf die Arbeit dort. Ich werde erstmalig eine Diplomstelle antreten – das ist ja mein Hauptziel und der Grund dafür, dass ich mich für das ISE-Studium entschlossen hatte. Ich hoffe, dass der Nutzerkontakt, den ich bei meiner momentanen Arbeit in Gießen sehr schätze, nicht zu kurz kommen wird.

Warum haben Sie sich für ein ISE-Studium entschieden?

Während der Arbeit im mittleren Bibliotheksdienst habe ich ziemlich bald festgestellt, dass der berufliche Aufstieg sehr überschaubar ist. Schon nach kurzer Zeit hatte ich einen Stillstand erreicht und es gab keine Möglichkeit zur Weiterentwicklung, weder was meinen Tätigkeitsbereich noch was die Verdienstmöglichkeit anging – lediglich, weil mir dazu die Ausbildung/das Studium fehlte.

Um mich beruflich weiterentwickeln und eventuell auch die Sparte wechseln, also von der wissenschaftlichen Bibliothek auf eine öffentliche Stadtbibliothek umsteigen zu können, war das Studium nötig. Vor dem informationstechnischen Anteil des Studiums an der h_da hatte ich großen Respekt – das Gebiet ist nicht gerade mein Steckenpferd – mir war andererseits aber auch völlig bewusst, dass Bibliothekare der Gegenwart und der Zukunft mit diesen Aufgaben konfrontiert werden und sich diesen stellen müssen.

Inwieweit sind Ihnen diese informationstechnischen Kenntnisse in der Berufspraxis von Nutzen?

Bisher habe ich diese Kenntnisse noch nicht nutzen können oder müssen. Auch in der Bundesbank werde ich ohne die Kenntnisse aus dem Informatikanteil des Studiums auskommen. Ich werde Datenbanken zur Informationsgewinnung nutzen, muss allerdings selbst keine Datenbanken entwerfen oder per SQL-Anfragen auf die Inhalte zugreifen. Sicherlich ist es nützlich zu wissen, wie Informationen in Datenbanken eingespeist werden und wie ich genau die Informationen daraus gewinnen kann, die ich zur Beantwortung der Anfragen benötige.

Gibt es etwas, was Sie derzeitigen IW-Studierenden mit auf den Weg geben möchten?

Mein Tipp: Auch wenn es schwer fällt, bestenfalls alle Modulprüfungen in dem Semester erledigen, in dem sie angeboten werden. Das ist besonders im zweiten Semester hart, wenn fünf Modulprüfungen plus jeweilige Prüfungsvorleistungen abzuleisten sind. Das Verschieben von Modulprüfungen kann gegen Ende des Studiums zu erhöhtem und vermeidbarem Stress führen. Ich habe im zweiten Semester zwei Prüfungen geschoben – eine davon bis ins sechste Semester. Im sechsten und letzten Semester wurde es dann – mit Bachelorarbeit – noch mal richtig stressig und der Abschluss des Studiums hing vom Bestehen der geschobenen MP ab. Das würde ich so nicht noch mal machen, sondern direkt alle Prüfungen im jeweiligen Semester ablegen.

Überhaupt: rechtzeitig anfangen. Mit allem. Mit Lernen, Ideen sammeln für das Praktikum, Bewerbung fürs Praktikum usw.

Es ist sicher hilfreich, das Praktikum zu teilen und dadurch die Möglichkeit zu nutzen, unterschiedliche Betriebe, Firmen, potentielle Arbeitgeber kennen zu lernen. Ich war mir ja seit Anfang meines Studiums über meinen zukünftigen Arbeitsbereich (Bibliothek) sehr sicher, da ich bereits Berufserfahrung hatte und diesen Beruf auch beibehalten wollte. Studenten, die sich direkt nach dem Abi zum Studium entschließen, sind sich über ihren zukünftigen Wirkungsort aber vielleicht noch nicht so sicher – Praktika können da hilfreich sein.

Hilfreich außerdem: Während des Studiums Messen, Veranstaltungen, Jour fixe mit ehemaligen Studenten besuchen und Kontakte knüpfen. Das bringt oft neue oder andere Ideen/Sichtweisen und Alternativen.

Vielen Dank für das Interview!